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Als "Hobby-Fahrerin" in die deutsche Elite

Knifflige Wege im Wald zu bewältigen, das reizt Anne Hillenbach am Mountainbiken. Die Hagenerin geht in ihre zweite Bundesliga-Saison. Foto: Zee Aylienz

Hagen/Giessen. In drei Jahren in die Bundesliga in einer olympischen Disziplin: Dieses Kunststück muss Anne Hillenbach erst einmal jemand nachmachen. 2001 bestritt die Hagenerin ihr erstes Mountainbike-Rennen überhaupt, bereits im Vorjahr schloss sie ihre erste Serie in der nationalen Eliteliga mit Rang 21 bei den Damen ab. Etwas weiter vorn will die 22-Jährige landen, wenn ihre zweite Bundesliga-Saison am 14. August diesen Jahres erstmals nahe der Heimat endet - beim Ruhrbike-Festival in Wetter.

Auf der Schwäbischen Alb bestritt Anne Hillenbach vor Jahresfrist ihr Bundesliga-Debüt in der olympischen Cross-Country-Disziplin, das mit Rang 19 endete. Im dortigen Münsingen startet am Wochenende auch die aktuelle Saison mit erstmals sechs Rennen, doch die Hagenerin fehlt. Nicht etwa wegen Verletzung oder Formschwäche, ihre aktuell gute Verfassung bewies sie mit Platz vier beim Auftakt zum NRW-Cup in Oelde oder jüngst nach dem Vorbereitungs-Trainingslager Rang drei in Deidesheim. Aber eine Universitäts-Fahrt nach Hamburg hat für die Radsportlerin, die in Gießen im sechsten Semester vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft studiert, Vorrang.

Denn die von Sabine Spitz und Ivonne Kraft angeführte deutsche Elite betreibt Mountainbiken zwar professionell, trotz großen Trainings-Aufwands und rasanten Aufstiegs gilt dies für Anne Hillenbach aber nicht. "Ich habe nicht die Hoffnung, dass ich mit Radsport einmal Geld verdienen kann", sagt sie, "in dem Sinne bin ich Hobby-Fahrerin." So startete sie in der letzten Saison zwar für das Fuji-Profiteam in der Bundesliga. Eine finanzielle Unterstützung allerdings erfuhr sie nur insofern, als sie dank Sponsoren an Material wie Reifen, Sportler-Nahrung oder Kleidung preisgünstiger kam. So erfolgte auch vor der aktuellen Serie der Wechsel in die Mannschaft des NRW-Landeskader, dem sie ohnehin seit zwei Jahren angehört.

Um Mannschafts-Sport und entsprechende Wertungen geht es bei der Mountainbike-Bundesliga indes nicht. "Im Grunde fährt jeder für sich", sagt Anne Hillenbach, "es gibt fast kein Teamwork, das ist nicht zu vergleichen mit Straßen-Rennsport." Zum Radeln über Stock und Stein kam die Ausdauer-Sportlerin, die in ihrer Jugend beim TSV Kabel wettkampfmäßig - von der Mittelstrecke bis zum Halb-Marathon - lief, erst mit 17. "Was ich mag, ist das Naturerlebnis", begründet sie, "und ich habe Spaß daran, mich auszupowern und knifflige Wege im Wald herunterzufahren. Auf dem Mountainbike ist der Aktionsradius halt viel größer als beim Laufen." Den nutzt sie mittlerweile reichlich: Nur einen Rad-freien Tag pro Woche gönnt sie sich, durchschnittlich zwölf Trainingsstunden daneben sind Pflicht.

Mit diesem Enthusiasmus schaffte Anne Hillenbach es schnell in die erweiterte nationale Spitze. Beim Hobbyrennen 2002 in Wetter wurde sie von Organisator Hajo Leitheusser "entdeckt" und zu dessen Klub MBC Bochum gelockt. Ein Jahr später wurde sie bereits Westfalenmeisterin auf dem Mountainbike und beim Cross-Duathlon, 2004 war Rang 14 bei den deutschen Meisterschaften in Sundern ihr bestes Ergebnis. Wobei die Hagenerin einschränkt: "Bei den meisten Rennen sind leider wenige Frauen am Start."

Deshalb hat sie auch für den Weltcup am 4./5. Juni in Willingen gemeldet. "Ich will endlich mal in einem Feld von 100 starken Frauen starten und diese Atmosphäre kennenlernen", sagt sie. Die nationalen Titelkämpfe in Alpstadt eine Woche später (Hillenbach: "Unter die Top Ten will ich da schon") sind ein weiterer Höhepunkt. Und natürlich das Bundesliga-Finale auf dem Wetteraner Harkortberg, wo vor drei Jahren die Karriere ihren Lauf nahm. . .

Im Vorjahr startete Anne Hillenbach noch für das Fuji-Team, die am Wochenende startende Bundesliga-Saison bestreitet sie im NRW-Kader.


15.04.2005   Von Axel Gaiser
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