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Da sitzt man also, sitzt und die Menschen wehen an einem vorbei, wenn man auch zuschaut und zuhört... Die Kellnerin kommt. Lächelt. Spricht. Das Lächeln verschwindet, als man antwortet. Und ein anderes kehrt zurück, das des Menschen und nicht das der Kellnerin... Dann lächelt man auch und zahlt, und sie weist das Trinkgeld zurück, als man zahlt. Und man steht auf, man geht. Unten tropfen immer noch Plastikschildkrötenbiker aus der Seilbahn. Sie haben Spaß, sind gelöst, sind cool... und sind doch so euphorisch, und die Maske verschwindet schnell angesichts des Downhills, der dort, jenseits des Eingangsbogens wartet, lauert, kalt und wesenslos. Haben Angst. Auch ich habe Angst. Es ist immerhin ein Downhill, der den Namen verdient, der längste in ganz Österreich, und in der Tradition eines FIS-Abfahrtsrennens. Über dieselben Pisten, kalt und ohne Charakter, ohne Wesen, einfach nur da. Berg. Unter der Seilbahn, sagt einer, da kann man nicht fahren. Nur Verrückte fahren da, sagt er noch. Da stehe ich, mit einem alten Hardtail und Pudding in den Beinen. Ja, es ist eine Dirtjumper drin, 100 mm Federweg. Dort drüben steht einer mit einem fiesen Freerider und ist sehr still. Auch ich bin sehr still. Gleich, wie viel Federweg, der Downhill ist da, kalt und gleichgültig und sich von Abfahrt zu Abfahrt wandelnd, wartend.. auf was? Auf nichts wartend, nichts erwartend, nicht denkend, nicht fühlend, und doch kann er dich fressen. Er ist da und wartet. Für immer und ewig. Zeit gibt es nicht, hier. Es ist auch egal, wie schnell du fährst... alles liegt nur in dir, wenn du es wagst. „Life of man is a mountainside... giving its gifts for those who try…” Ist es das? Man schiebt den Sattel auf Anschlag. Man überprüft die Bremsen. Man begutachtet die Gabel und den Rahmen. Und dann - gleichgültig, wann, wo, wie – tritt man an. Und der erste Tritt, zaghaft. Der zweite Tritt, man rollt. Der dritte Tritt.... Leere.... hinab, hinab. Hinab, ins Tal, zu Tal, zu Tal... Wurzeln, Steine, groß wie Kartoffelsäcke... was ist eure Welt wert? Was ist die Welt wert? Anlieger zu Anlieger schießt zur Geraden, das, was man geworden ist im Angesicht des Bergs, hinab, hinab. Alle Muskeln schmerzen, alles verrinnt, auch der Schmerz, auch die Gedanken, zum nächsten Anlieger, ein Rausch, ein Tanz von Exstase und Schmerz. Sprünge und Drops, einer wie der andere, Angst. Panik, Ruhe, Panik, Angst, und wieder Ruhe, Spannung zu Spannung zu Ruhe, zu Tal. Und dann, so seltsam wie der Downhill kam, ist die Mittelstation der Seilbahn da. Eine riesige Baustelle.... und man trägt das Rad auf der einen Seite fünf Meter hinab und krabbelt wieder hinauf, lächerlich angesichts der Gefühle, die man zuvor empfunden hat. Und dann stehe ich dort, an der Seilbahn, die ich von so vielen Aufenthalten kenne. Und suche den Weg. Und weiter, nur weiter, hinab, nur zu Tal. Immer wilder wird das Gelände, steiler die Wege und dunkler der Wald. Wieder Angst und Entspannung, immer schneller aufeinander folgend, immer rascher geht der Tanz im Herzen vor sich. Eine schmale Holzbrücke nach einem langen Steilstück, schmierig von Moos... und dann... das Tal. Noch einmal. Diesmal hinauf mit der Seilbahn, denn man ist fix und fertig nach der Abfahrt, die man sich gegeben hat, auf der man von sich gegeben hat, was man hatte, und noch ein weniges mehr... Und Menschen in der Seilbahn, Gespräche, Lachen. Hinab.... hinab. Es ist eine andere Abfahrt, nun. Traum. Flow. Geschwindigkeit, wo vorher Angst war. Was ist eure Welt wert, in der die Berge nur Steinhaufen sind? Was ist die Welt jener wert, die so jungdynamisch sind, die beim Ersteigen einer Treppe an ihre Grenzen kommen? Was ist die Welt wert, auf Sand gebaut und seltsame, verdrehte Träume? Auch mein Bike ist ein Traum, aber der Berg bleibt ein Berg, ob ich lebe oder sterbe... Es ist derselbe Berg, ob es mich gibt oder nicht... ich träume, weil es so befohlen ist, einen Teil eures Traums, den ich will. Den ich will, weil er mich hinausführt aus dem Elend des Daseins, des Mensch-Seins. Ich verlache euch nicht, verachte euch nicht... aber ich weiß um den Berg. Denn er allein ist wahr, und hinter ihm ahne ich Dunkelheit und Schrecken und Licht. Und Wahrheit. Wahrheit, die mein Leben ein Geschwätz erscheinen lässt. Wie ein Traum kam auch dieser, der zweite Downhill... jenseits von Worten ging er, wie ausgeblendet, sanft und leise, war er auch laut. Ein anderer Abzweig führt mich in das Nebental, wie ein Falke hinab, an der Bergflanke entlang, nicht lebendig, nicht tot, im Rausch eines Lebens, fremd dem Dasein. Schweigen, als der Uphill kommt, wieder auf die Straße, nur getrieben von dem Willen. Nicht dem Willen, ein Ziel zu erreichen, denn das Ziel lohnt nicht. Ein Wille ist das, zu sein. So muss man es sagen können. Es ist schönes Wetter, als wenn man es erst jetzt bemerke, und die Sonne ist heiß. Langsam, mit brennenden Beinmuskeln schraubt man sich höher, Meter um Meter um erkämpften Meter. Und flacher wird es, geht sogar leicht bergab, und man rollt, den der Weg ist noch weit. Mit der nächsten Steigung kommen die Schmerzen, Schüttelfrost, Hungerast. So halte ich an, esse, trinke, öle den Motor, der doch meine Seele tragen soll der Höhe des Berges entgegen, der Macht des Berges entgegen wie die Braut zum Bräutigam, denn ich will Berg sein und vom Gewicht des Berges. Zuschlagen mit der Kraft von Lawinen, Gaben geben aus dem Schatz der Felswoge. Ohne Schmerz kann dies nicht sein. Hinauf. Die Forststrasse, ein kurzer Downhill, dann wieder... Schmerz. Tritt für Tritt, hinauf, hinauf. Und die Zeit dehnt sich mit dem Hoffen, dass die nächste Serpentine, schlangengleich in ihrem unendlich langsamen, schmerzhaften und qualvollen Tanz, langsam wie der Wandel im Herzen eines Bergkristalls, Erholung bringe oder gar den Ort, den ich Ziel nenne. Ich weiß, dass sie sich dehnt. Sie dehnt sich für mich, weitet sich, nimmt Seele auf, die darin Wohnsitz nimmt. Für lange, vielleicht für ewig, ein Ziel, das zu erreichen sich lohnt. Weitet sich, und die Muskeln, schmerzend zwar, sind warm, und mit der Wärme kommt der Tanz. Ich bin nicht länger. Hinauf. Die Kurve kippt mich in eine labyrinthische Wendung, siebenfach nach links und siebenfach nach rechts, und in der Mitte Leere. Leere und ein Stier, geopfert auf dem Altar der Berge, auf Ähren und Milch gebettet. Wer führt das Messer? Zeit, den Mistelzweig zu werfen, Zeit den goldenen Zweig zu schneiden, zu essen von den Früchten der Woge... der Woge von Fels, Fels der Berge, Berge... wo bist du, Stern, der in die Sonne ging, Streiflicht in den Wäldern? Hinauf. Gedanken fließen, fließen so, dass sie nichts mehr bedeuten. Und dann, dann ein letzter Schmerz. Ein Viehrost, über den man beim Hinabfahren gesprungen ist und nun, gepeinigt, holpert. Und der Kessel öffnet sich zu Stille und Wärme, und darüber, der Berg. Der Bach rauscht. Winzig zwei, drei Menschen, und Geschäftigkeit um die Hütte herum. Eine geht zum Schuppen, und holt Holz. Man rollt nurmehr. Der Körper schmerzt. Der Sohn von einem, dem die Hütte gehört, kommt auf einen zu. Wo warst? – Im Tal. Im Bikepark. Sagt man und grinst. Und er: Lächeln. Und um seine Pupille liegt ein gleißendweißer Ring. Man schaut hinein wie in einen Bergkristall. Und dann, plötzlich, weiß ich, dass um mein Auge derselbe Ring liegt. zurück |
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